Tinbergen, Eskimoland

Artikel-Nr.: B349

Sofort versandfertig!
Lieferzeit: 1 - 3 Werktage**

22,00

inkl. MwSt. zzgl. Versandkosten



Ein Bericht aus der Arktis.
Von: Niko Tinbergen

240 Seiten mit 67 Abbildungen. Gebunden. 17 x 21 cm.

Der Verhaltensforscher Niko Tinbergen verbrachte 1932/33 vierzehn Monate bei den grönländischen Inuit, die damals noch als Jäger und Sammler lebten. Sein faszinierender Bericht, der 2017 wiederentdeckt wurde, fesselt bis heute durch die genaue Beobachtung von Menschen und Tieren in einer lebensfeindlichen Umgebung und ist zugleich ein Lehrstück über die Beschränktheit des modernen Europäers.

Leseprobe:
14. Juli 1932. Endlich war es so weit. Wir standen zu sechst an der Reling der Gertrud Rask , die sich langsam vom Grönlandske Handels Plads entfernte, und ließen die letzten Eindrücke von Kopenhagen auf uns wirken. Der Kai mit den zehn Leuten, die uns zum Abschied zuwinkten, wurde immer kleiner, wir ließen die Häfen von Kopenhagen hinter uns, die Küsten Schwedens und Dänemarks wichen zurück. Zum letzten Mal festen Boden unter den Füßen: Helsingör, wo die Freunde und Verwandten der Passagiere unwiderruflich an Land gesetzt wurden. Dann waren wir allein mit der kleinen Truppe, die mit dieser einzigen Schiffsverbindung des Jahres nach Ostgrönland gebracht wurde.

Die Gertrud Rask , ein 800-Tonnen-Schiff, ausgestattet mit Dampf- und Segelkapazität, ist eines der Schiffe, mit denen die dänische Regierung die reguläre Verbindung zu ihren grönländischen Kolonien unterhält. Die meisten dieser Schiffe fahren an der Westküste, einmal im Jahr nimmt eines der größten Kurs auf die beiden Kolonien an der Ostküste, Angmagssalik und Scoresbysund. Grönland ist ein abgeschlossenes Land, Privatleute erhalten nur ausnahmsweise Zutritt, und ansonsten ausschließlich Personen, die sich zu wissenschaftlichen und kulturellen Zwecken dort aufhalten. So ist dem Fremdenverkehr in Grönland schon von vornherein eine starke Beschränkung auferlegt. Jeder, der hierherkommt, muss möglichst mit einem Schiff der dänischen Regierung befördert werden und sich vorher einer strengen medizinischen Untersuchung unterziehen. Diese wurde uns übrigens erspart, doch das war wohl ein Versehen von höherer Stelle.

Viel Platz gab es an Bord der Gertrud Rask nicht. Siebzehn Passagiere mussten mit fünf Kajüten in der Größe von gut zwei Quadratmetern vorliebnehmen, aber die Stimmung litt darunter selbst an den stürmischsten Tagen nicht. Für uns war es ein glückliches Zusammentreffen mehrerer Umstände, dass wir mit einer Expedition unter der Leitung von Gino Watkins reisten, der im Anschluss an seine "British Arctic Air Route Expedition" von 1930 bis 1931 mit drei der ehemaligen Teilnehmer wieder nach Angmagssalik fuhr. Das Ziel der neuen wie auch schon der vorangegangenen Reise war es, die Möglichkeiten einer arktischen Amerika-Europa-Flugroute über Grönland und Island hinweg zu erkunden.

Watkins und seine Kameraden hatten bei ihrem letzten Aufenthalt in Angmagssalik nicht nur einen großen Teil der Küste genauer kartiert, als es bis dato geschehen war, sondern außerdem ein Jahr lang meteorologische Messungen vorgenommen, und zwar in ihrer an der Küste gelegenen Basis wie auch in einer eigens dafür gebauten Beobachtungsstation auf einem zentralen Punkt der ausgedehnten Eiskappe, die nahezu ganz Grönland bedeckt. Zudem war es ihnen gelungen, die von Vilhjálmur Stefánsson auf dem kanadisch-arktischen Archipel erprobte Praxis anzuwenden, von dem zu leben, was das Land hergibt, auch unter den Bedingungen Ostgrönlands, und dafür hatten sie sich unter anderem die Kunst angeeignet, im Kajak Robben zu jagen - eine schwierige und heikle Jagdmethode, die große Behändigkeit und Ausdauer erfordert. Um nicht zu riskieren, bei einem Jagdunfall auf den von verstreutem Polareis bedeckten Fjorden mit dem Kajak umzuschlagen und dann, wie so viele Eskimojäger, ein jämmerliches Ende zu finden, hatten sie in kurzer Zeit die sogenannte Eskimorolle erlernt, bei der man sich mithilfe des Paddels nach einem eventuellen Kentern wieder aufrichtet. Wie uns selbst später klar werden sollte, ist das beim Kentern, das nur allzu schnell passiert, die einzige Rettung.
 

Niko Tinbergen (1907 - 1988) war einer der wichtigsten Verhaltensforscher des 20. Jahrhunderts. Er erhielt 1973 gemeinsam mit Konrad Lorenz und Karl von Frisch den Nobelpreis und war als Professor in Oxford der Lehrer von Richard Dawkins.

Hier finden Sie noch mehr Arktis-Reisebeschreibungen

 


Weitere Ausgaben:
Dieses Buch gibt es in unserem NordlandBuchShop auch als E-Book ...
 


 

Weitere Produktinformationen

Ausgabejahr 2019
Hersteller Beck
EAN 9783406741715
Google Product Category Medien > Bücher
Stichworte Arktis, Polargebiet, Polarkreis, Reisebericht Arktis, Reisebericht, Erlebnisbericht Arktis, Eskimoland Buch,

Kunden, die dieses Produkt gekauft haben, haben auch diese Produkte gekauft

*

inkl. MwSt. zzgl. Versandkosten


Diese Kategorie durchsuchen: Polargebiete: Bildbände / Reisebeschreibung